Die Anfänge des Höveler Karnevals

In den Nachkriegsjahren kannte man den "Karneval" nur vom Hörensagen. Vielmehr sprach man von der Fastnacht oder plattdeutsch "Fastelowend".
Als im Jahre 1948 die Schützenhalle, die heutige "Kleine Halle" fertig gestellt war, feierte die Schützenbruderschaft erstmals ihre Fastnacht am Karnevalssonntag und den Lumpenball am Veilchendienstag in der Halle.
Die Vorbereitungen für diese beiden Tage waren jeweils am „Lüttkenfastelowend“, am heutigen „Weiberfastnacht“ in der Gastwirtschaft Feldmann. An diesem Abend, der meistens sehr lange dauerte, wurde ein Prinz für die Höveler Fastnacht gewählt oder manchmal auch einfach bestimmt. Dieser Prinz hatte dann drei Tage Zeit, sich für den Sonntagabend ein kleines Programm einfallen zu lassen. Dass dabei nicht viel herum kam, sollte jedem einleuchten.
Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit der Liste seien einige Prinzen dieser Zeit erwähnt: Johann Lampe (Hännes I.), Theodor Honert (Theodor I.), Alfons Köthe (Alfons I.) und einige Male Heinrich Sauer (Heini I.). Der letzte Prinz dieser Art war 1967 der damals 24-jährige Gregor Israel (Gregor I.).
Trotz des dürftigen Programms waren die Feste gut besucht und erfüllten in finanzieller Hinsicht ihren Zweck: Die Schützenbruderschaft hatte Einnahmen, um für den Anbau der heutigen „Großen Halle“ zu sparen. Zu dieser Zeit hatte die Halle auch noch keine Heizung. Ein Kanonenofen wurde so stark mit Koks befeuert, dass er am Abend rotglühend war. Insbesondere beim Tanzen musste man darauf achten, dass man nicht dem Ofen nicht zu nahe kam. Insbesondere zu vorgerückter Stunde war dies nicht immer ganz einfach.
Die komplette Halle war nach einigen Um- und Anbauten dann 1966 soweit fertig gestellt, wie wir sie heute vom Grundriss her kennen.

Das Fastnachtssingen der Höveler Kinder im Karneval

Auch die Höveler Kinder haben natürlich ihren Brauch in der Karnevalszeit. Sie gehen Weiberfastnacht in Gruppen oder auch einzeln von Haus zu Haus. Die jüngeren Kinder werden heute dabei auch von ihren Eltern begleitet. Dabei wird folgendes Lied gesungen:

Lüttke, Lüttke Fastenacht,
ich hab gehört, ihr habt geschlach‘t,
habt so ‘ne dicke Wurst gemacht.
Gebt uns eine, gebt uns eine,
aber nicht so ‘ne ganze kleine.
Lass das Messer sinken
bis mitten in den Schinken.
Lasst uns nicht so lange steh‘n,
wir wollen noch ein Häuschen weiter geh‘n.
Eins, zwei, drei
‘ne Mettwurst oder ein Ei.

Nachdem die Kinder dann etwas bekommen haben, singen sie zum Dank:

Danke, danke, danke schön.
So leben Sie wohl, auf Wiederseh’n.

Dieser Brauch ist schon sehr alt und wird auch heute noch praktiziert. Natürlich war die Beute nicht immer so üppig wie heute. In den Nachkriegsjahren freute man sich über alles, was man bekam, auch wenn es „nur“ ein Apfel oder ein Hühnerei gewesen war. An Süßigkeiten oder Schokolade war damals überhaupt nicht zu denken, denn diese Sachen gab es nur vom Hörensagen. Im Laufe der Zeit hat sich dieses jedoch stark verändert. Heute gibt es neben Süßigkeiten auch den einen oder anderen Euro hinzu.

Alte Karnevalsbräuche in Hövel

In der Nachkriegszeit war es nicht nur in Hövel sondern auch in den Nachbargemeinden Brauch, dass die männliche Jugend des Dorfes am Fastnachtsdienstag um 9:00 Uhr traf. Jeder der an diesem Morgen zu spät kam, hatte 5 DM Strafe zu zahlen.
Ab 10:00 Uhr zog man dann von Haus zu Haus, um Wurst, Eier und Schinken zu sammeln. Schnaps und Bargeld wurden natürlich auch gerne angenommen.
Bei diesem Umzug sagen die jungen Jecken folgendes Lied im besten Sauerländer Platt:

Wann Fastelowend is, wann Fastelowend is,
dann schlacht moin Vahr nen Bock.
Dann danzet de Mämme, dann danzet de Mämme
mit dem roiem Rock.
Dann wippet der Rock, dann wippet der Rock
bit hoige an de Mäse rop!

Während des Gesangs mussten die Frauen im jeweiligen Haus unter großen Gejohle einen Schnaps trinken. Wer keinen trinken wollte, wurde mir einer Schmiedezange in den großen Zeh gekniffen.
Nach dem Umzug wurden die Naturalien in der Gaststätte Feldmann allen anwesenden Karnevalsfreunden serviert. Vom den Bargeld wurde ein entsprechend großes Fass Bier angeschlagen.
Bis zum späten Nachmittag feierten so die männlichen Höveler Einwohner, ob jung oder alt, ihren Fastelowend in einer sehr geselligen Atmosphäre. Zwischen 18 und 19:00 Uhr war dann aber Schluss, da man schnell nach Hause musste, um sich für den Lumpenball am Abend frisch zu machen. Diesen feierte man natürlich mit seinen Frauen bzw. Freundinnen.
Heute ist von dem dienstäglichen Treiben leider nichts mehr übrig geblieben. Im Laufe der Zeit wurde die Teilnahme am Umzug immer geringer und spätestens als Anfang der neunziger Jahre die Gaststätte Feldmann geschlossen wurde, war es dann vorbei.